1.FC Köln

Montag, 5. Mai 2008

Adrenalin-Kick

Wir hätten wissen müssen, was uns im Stadion erwartet. Auf dem Hinweg standen wir nichts Böses ahnend an der roten Ampel am Militärring, um uns herum Fans, Spaziergänger und ein paar Ausflügler mit dem Fahrrad.

Einer der Wartenden huschte zügig bei Rot über die Straße und hinter uns brach das große Geschrei einer älteren Radfahrerin aus dem Umland los:

"Denkst Du, Du bist schon tot, oder was? Köln! Schreckliche Stadt! Glauben, Sie könnten machen was sie wollen, die Kölner. Hier gibt es alles: Raucher, Mörder! Schreckliche Stadt!"

Ähnlich dürften sich in den folgenden 90 Minuten die Hoffenheimer gefühlt haben. Die FC-Spieler beharkten sie mit allen Mitteln, das Publikum tobte von der ersten Minute an. Mit melodramatischem Hinsinken und Provokationen ins Publikum versuchten die Blauen dagegenzuhalten.

Hoffenheims Elfmeterschütze Sahilovic forderte das Kölner Publikum nach seinem Treffer gar mit gezücktem Zeigefinger auf, die Klappe zu halten (möglicherweise war er einfach den Lärm im Stadion nicht gewohnt, Hoffenheim könnte etwas lauschiger sein). Kölns Maynor Souazo rächte seinen Anhang in der zweiten Halbzeit mit einer formidablen Kopfnuss, die den Bosnier einen Zahn kostete (und Souazo zur Überraschung des Publikums nicht Rot einbrachte).

Stattdessen bot der Honduraner (sagt man so?) wie auch das übrige Team seine beste Saisonleistung und über die kämpferische Leistung soll nicht vergessen werden, dass insbesondere Spieler wie Antar, Özat, Broich und Helmes auch spielerisch zu überzeugen wussten.

Hoffenheim hingegen enttäuschte letztlich. In der ersten Halbzeit standen sie taktisch gut, wussten aber damit nichts anzufangen. Nicht zuletzt, weil ihre Stürmer eher den Freistoß als das Tor suchten. In der zweiten Halbzeit suchten sie gar nichts mehr und so wurde es eines dieser Spiele, deretwegen man eine Dauerkarte hat. Um es mit den Leuten zu feiern, mit denen zusammen man ein ganzes Jahr leidet.

Freitag, 2. Mai 2008

Hoffenheim, Traum aller Fußballfans

Kaum etwas erregt die Gemüter mehr als ein Milliardär, der sich einen Fußballverein kauft. Dabei gibt und gab es das Modell Hoffenheim mehr oder weniger offensichtlich schon immer und überall, egal ob es Fortuna Köln, AC Mailand, Juventus Turin oder Athletico Madrid heißt. Von Chelsea muss man in dem Zusammenhang gar nicht einmal reden.

Von den Konzernen, die im Fußball viel Geld lassen, auch nicht. Egal ob Bayer oder VW mit ihren eigenen Clubs oder Gazprom und die Telekom als Partner der Vereine (wie auch immer diese Partnerschaft aussieht).

Aber Konzerne, so heißt es gern, verfolgen dabei wenigstens wirtschaftliche Interessen und geben das Geld nicht aus einer Laune (oder Leidenschaft?) heraus. Als ob das besser wäre.

Dann wird gerne von Wettbewerbsverzerrung geredet, so als ob es jemals im Sport einen fairen, von Geld unabhängigen Wettbewerb gegeben hätte.

Aber im Grunde ist ein Dietmar Hopp vor allem deswegen verhasst, weil er sich einen Traum erfüllt, den wahrscheinlich jeder Fan einmal hat: selber in einem, am besten noch seinen, Verein das Sagen haben.

Dass das in Hoffenheim zu funktionieren scheint, so ganz ohne gewachsene Fußballkultur und fast gänzlich ohne Fans, ist allerdings auch der größte Alptraum eines Fußballfans: Der Beweis, dass es ohne ihn geht. Dass er im modernen Fußball wirklich nicht gebraucht wird. Dass er zahlender Kunde in den Fanshops und beim Pay-TV ist und dekorative Staffage in den Stadien.

Dienstag, 29. April 2008

Zeitvertreib für Nervenbündel

Wer die Spannung nicht mehr aushält, der kann beim Kicker die letzten Partien der 2. Liga tippen. Aber wie man es auch dreht und wendet: Gewinnt der FC nicht gegen Hoffenheim und Mainz, steigt er nicht auf.

Sonntag, 27. April 2008

Nervenschlacht

Wenn Du als Fußballmannschaft in einem Spiel wie vergangenen Freitag in Aue in der 1. Minute einen Rückstand kassierst,
eine halbe Stunde lang verunsichtert auf grünem Rasen schwimmst,
dann wie aus dem Nichts zurückkommst, in Führung gehst,
um kurz vor der Halbzeit wieder den Ausgleich zu kassieren,
in der 2. Halbzeit einen ungerechtfertigten Platzverweis kassierst,
in Unterzahl dennoch in Führung gehst...

... und so ein Spiel gewinnst,
steigst Du mit aller Wahrscheinlichkeit auf.

Wenn Du aber am Ende noch den Ausgleich hinnehmen musst, fällst Du zurück auf Platz 4 und die Nervenschlacht geht weiter.

Freitag, 25. April 2008

Schlimmer als Prince

Heute habe ich wieder was gelernt! Bisher dachte ich immer nur verrückte Popstars wechseln unmotiviert ihren Namen und im Fußball gäbe es so etwas nur im kommerzialisierten Österreich
(Ich bin mal gespannt, wann die Österreicher merken, dass ihnen das nicht hilft und ihr Fußball trotzdem scheiße ist. Aber eben scheiße ohne Tradition.)

Aber nicht nur Österreicher und Popstars benennen sich wüst um. Auch unser heutiger Gegner hat eine wechselvolle Namensgeschichte hinter sich:

1945-1946: SG Aue
1946-1950: BSG Pneumatik Aue
1950-1951: Zentra Wismut Aue
1951-1954: BSG Wismut Aue
1954-1963: SC Wismut Karl-Max-Stadt
(! Nicht nur im kapitalistischen US-Sport wurden Teams mal eben in andere Städte transferiert, wie mir scheint. Was mich an eine lustige Diskussion über Tempolimit auf Autobahnen erinnert, die ich in den 80er Jahren mal miterlebt habe. Die Argumente reichten von "Toll, wie in den USA!" bis zu "Schlimm, wie in der DDR!")
1963-1990: BSG Wismut Aue
1990-1993: FC Wismut Aue
1993-heute: FC Erzgebirge Aue

Immerhin tragen sie seit über 30 Jahren die gleichen Vereinsfarben mit sich herum - hoffen wir also auf eine neuerliche Begegnung mit selbstmordsüchtigen Milka-Kühen. Lediglich zwei Heimniederlagen für Wismut lassen allerdings eine ziemliche Nervenschlacht erwarten.

Mittwoch, 16. April 2008

Milkakühe mit selbstmörderischen Absichten

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Was der VfL Osnabrück gestern in Müngersdorf geboten hat, war das mit Abstand schlechteste, was ich in dieser Saison live gesehen habe (die eigene Mannschaft eingeschlossen).

Wie depressive lila Kühe mit Suizidsehnsucht trabten die Niedersachsen über den Platz und uns oben auf der Tribüne war nicht klar, ob der FC sie nicht abschlachten konnte oder wollte.

Vielleicht misstrauten die Kölner Spieler der Schwäche des Gegners, immerhin verkauft ihnen ihr Trainer spielerische Armut schon einmal als taktisches Konzept und wer vertraut einer lila Kuh, die das Schlachtermesser im Maul mit sich herumträgt?

Zumal dann, wenn die Kuh nicht einmal ein Lila hinbekommt, sondern farblich irgendwo zwischen Violett und Lila umherstolpert (das muss man dazu sagen, denn die Osnabrücker, die wir Stunden nach dem Spiel trafen, wirkten extrem pedantisch. Vor allem aber waren sie komplett humorlos. Ihnen im speziellen sei dieser Beitrag gewidmet.)

Dienstag, 15. April 2008

Warum ich aufsteigen muss

Die Anstoßzeiten der 2. Liga sind für mich eigentlich kaum machbar. Freitags um sechs müsste ich nicht selten noch im Büro sitzen, montags unterrichte ich bis neun an der Uni, sonntags würde ich gerne einen Ausdauerlauf machen, dann kann es mit 14:00 Uhr schon einmal knapp werden.

Da wir unsere Plätze ziemlich genau in der Mitte zwischen Block S12 und S13 haben, quäle ich die Sitznachbarn im Dutzend, wenn ich kurz nach dem Anpfiff zu meinem Platz stürme und sie zum Aufstehen zwinge. Dafür an dieser Stelle mal eine Entschuldigung.

Richtig bitter aber ist ein Anstoß dienstags um halb sechs. Da bleibt kaum Zeit für einen anständigen Beitrag über den Gegner. Nur so viel: Es ist der VfL Osnabrück.

Freitag, 11. April 2008

Pflichtspiel

Kaum ein Auswärtspiel verdeutlicht den Begriff "Pflichtspiel" besser als ein Auftritt in der westfälischen Provinz beim SC Paderborn 07, mit 22 Punkten abgeschlagen Tabellenletzter der 2. Liga.

Da musst Du gewinnen ohne etwas gewinnen zu können. Außer eben drei Pflichtspielpunkten. Denn kommt der FC mit einem Sieg zurück, sagt jeder, das sei doch selbstverständlich gewesen und wenn Du da nicht gewinnst, wo denn dann? Verlierst Du aber, bist Du der Depp.

Eigentlich ist so ein Pflichtspiel ein Arschkartenspiel und das alles wird nicht dadurch besser, dass dieses Spiel für die Heimmannschaft und ihren Anhang ein echtes Highlight ist.

Mittwoch, 9. April 2008

Viel Lärm um Nichts?

Auch wenn die Vorfälle im Spiel gegen Gladbach viel Diskussionspotenzial bieten (das man durchaus nutzen kann und soll), lohnt sich auch einmal ein Blick auf die Beurteilung durch die Kölner Polizei:

"Der Sport stand im Vordergrund – so genannte „Fans“, die das Sportereignis als Anlass für gewalttätige Auseinandersetzungen nutzen wollten, hatten keine Chance."

Gerade einmal vier Personen musste die Kölner Polizei im Rahmen des Derbys in Gewahrsam nehmen. Aber das ist natürlich keine schlagzeilenträchtige Nachricht.

Dienstag, 8. April 2008

Wenn wir sie nicht schlagen können...

... dann machen wir ihnen wenigstens die Fahne kaputt.

Als ich eine halbe Stunde vor Spielende endlich in Müngerdorf angekommen war, dachte ich zuerst das Spiel sei schon vorbei. Kaum ein Geräusch war aus dem Stadioninneren zu hören, weder von Kölner noch von Gladbacher Seite.

Im Stadion selber wurde rasch klar warum: Köln mühte sich, brachte aber wenig Gescheites zu Stande. Gladbach tat zu wenig, um seine Fans trotz Führung bei Laune zu halten.

Stimmung kam erst auf, als auf den Stehrängen die erbeutete Zaunfahne der Gladbacher Ultras ausgerollt wurde. Der Gästeblock reagierte prompt und versuchte sich mit bengalischen Feuern selbst zu verbrennen (ist das auch so ein Ultra-Ding?). Da ihnen das nicht gelang, forderte die Südtribüne geschlossen das neuerliche Herzeigen der Fahne, aber die war bereits in Stücke gerissen (und wird jetzt vermutlich in handlichen Fetzen auf ebay versteigert, um die Finanzierung der Kölner Choreos in den nächsten zehn Jahren zu sichern) und so blieb dem Anhang der Geißböcke am Ende nichts übrig als den versteinerten Gästen zu zeigen, wie man Scooter richtig singt.

Sicherlich sind solche Aktionen albern und fahrlässig. Die pflichtschuldige Empörung der Medien mit dem üblichen Standardsatz "Solche Sachen haben mit Fußball nichts zu tun" allerdings sind noch viel größerer Unfug.

Natürlich haben "solche Sachen" mit Fußball zu tun, jede Menge sogar, und wer das nicht versteht, versteht Fußball nicht - ein Spiel, in dem sich zwei mehr oder wengier verfeindete Stämme gegenüber stehen und sich mit unerschiedlichsten Mitteln bekriegen, sei es beim Kampf um den Ball, sei es beim Kampf um die akkustische Vorherrschaft im Stadion.

Manchmal (und zu oft) läuft dieser Kampf aus dem Ruder, dann fliegen Fäuste oder eben Feuerwerkskörper (aus Kölner ebenso wie aus Gladbacher Fanblöcken oder sonstwoher).

Aber er ist ein Bestandteil des Spiels und deshalb gehören "solche Sachen" zum Fußball, selbst wenn man sie ablehnt. Es kommt darauf an sie zu eindämmen oder zu kanalisieren. Verhindern kann man sie nämlich nicht.

Zurück zum Spiel. Die letzte halbe Stunde zeigte eine bemühte, aber hilfose Kölner Mannschaft (wer sich zu der Stunde vorher äußern will - nur zu!) ohne taktisches Konzept (lange Bälle auf einen Innenverteidiger im Sturmzentrum sind kein taktisches Konzept).

Dass es am Ende dennoch zum Ausgleich reichte, zeigt immerhin, dass die Mannschaft trotzig genug ist, ihre Fehler zu ignorieren und auf die ein oder andere Art ihre durchaus vorhanden Fähigkeiten erfolgreich in die Waagschale zu werfen. Und sei es mt Hilfe des Schiedsrichters.

Ob das allerdings für den Aufstieg reicht? Gladbach als Tabellenführer zeigte sich gestern spielerisch nicht reifer als die Kölner. Dennoch genügte ihnen eine mäßige Leistung, um aus Müngersdorf einen Punkt mitzunehmen. Und man kann sich nicht immer damit trösten, dass man zwar nicht gewonnen, aber dem Gegner wenigstens seine Stammessymbole kaputt gemacht hat.

Die Welt - aus Sicht der Südtribüne

Das Blog rund um den 1.FC Köln, die Fußball-Bundesliga und den ganzen Rest

Aktuelle Beiträge

also ich finde marco...
also ich finde marco hat recht und ich weiß das...
Jessika (anonym) - 11. Mai, 23:18
Nie mehr 2.Liga, nie...
Nie mehr 2.Liga, nie mehr.....
Juergen (anonym) - 11. Mai, 20:13
Herzlichen Glückwunsch...
Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg, mein Lieber!
DonParrot - 11. Mai, 16:16
Ich störe mich nicht...
Ich störe mich nicht daran, daß ein reicher...
MiMo (anonym) - 9. Mai, 17:41
Jaja, Sardinien ist super....
Jaja, Sardinien ist super. Nur ist es immer frustrierend...
Immerriesling (anonym) - 7. Mai, 23:09

Suche

 

Die offizielle Zuschauerzahl

Partner

Stadionradio

Wettbüro

Das Wetter über der Südtribüne

Aktuelles Wetter in Cologne:


Temperatur: 14 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 59 %
Sichtweite: 10.0 km
Luftdruck: 1016.9 mb
Windstärke: 11 km/h

Weather data provided by weather.com

Status

Online seit 1021 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Mai, 23:18

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB

User Status

Du bist nicht angemeldet.