Internationaler Fußball

Freitag, 14. Dezember 2007

England to the English

Fabio Capellos Verpflichtung als Team-Manager der englischen Nationalmannschaft stößt auf der Insel nicht nur auf Begeisterung.

Vorgeworfen wird ihm vor allem, dass er kein Engländer ist wie sein Vorgänger Steve McClaren, mit dem sich England gerade in der EM-Qualifikation blamierte.

(Wer dabei an den 1. FC Kaiserslautern denkt und dessen wenig glückliche Neigung, pfälzische Wurzeln als Einstellungskriterium für ziemlich jeden denkbaren Posten zu nehmen, kann sich ungefähr denken, wie weite Teile des englischen Fußballs ticken)

Donnerstag, 20. September 2007

Gott ist tot!

Gottesbeweise sind schon eine knifflige Angelegenheit. Noch vertrackter wird es, will man die Nichtexistenz Gottes beweisen.

Denn die Nichtexistenz von irgendetwas ist schlechterdings nicht beweisbar (weswegen von vorneherein klar war, dass die Amerikaner in den Irak einmarschieren werden, weil es Saddam Hussein unmöglich war, die Nichtexistenz von ABC-Waffen in seinem Land zu beweisen).

Im Fußball, wo bekanntlich andere Gesetze gelten, hat sich Gott (in seiner Gestalt als Chelsea-Trainer Jose Mourinho) nun selber abgeschafft und damit seine eigene Nichtexistenz qua Rücktritt bewiesen.

Mittwoch, 8. August 2007

Du machst, was Du kannst

Kolumbiens Ex-Nationaltorhüter Rene Higuita feiert mit 40 sein Comeback. Warum? Vielleicht deshalb:

"Schon als Kind spielte ich Fußball nicht mit der Einstellung, das zu werden, was ich möchte, sondern das zu werden, was ich kann. Es ist Deine Bestimmung. Du machst, was Du kannst. Wenn ich mit sechzig noch fit bin, dann werde ich mit sechzig spielen."

Freuen wir uns auf die nächsten 20 Jahre mit ihm und hoffen wir, dass er die Finger von Drogen und öffentlichen Schönheitsoperationen lässt.

Montag, 30. Juli 2007

Eheprobleme (oder deutscher als Berti Vogts)

Als Berti Vogts Nationaltrainer von Nigeria wurde, schüttelte ich noch mit dem Kopf: Der biedere Berti und die chaotische Nigeria versprachen eine turbulente, aber wenig glückliche Beziehung zu werden.

Nun aber beklagt sich erstaunlicherweise Nigeria, dass Berti seinen ehelichen Pflichten vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkomme.

Wer hätte gedacht, dass in dieser Beziehung der nigerianische Fußballverband deutsche Tugenden einfordern muss?

Freitag, 27. Juli 2007

Auf dieses Spiel hat die Welt gewartet

Heute Abend findet in Stuttgart die Revanche für das WM-Finale 1982 statt. Endlich!

Endlich?

Nein, bereits vor 15 Jahren standen sich die Altherrenteams dieses aus deutscher Sicht denkwürdigen Turniers bereits einmal gegenüber. Ich weiß sogar, wie es ausging, aber Ihr wollte das nicht ernstaft wissen, oder?

Nachdenklich stimmt mich, dass das Veranstalter-Team rund um Hansi Müller ernsthaft mit 40.000 Zuschauern rechnet. Ein Freitagabend in Stuttgart muss eine beängstigend triste Erfahrung sein, wenn so viele Menschen zu einem solchen Spiel pilgern.

Und Hansi Müller muss ein sehr trauriger Mensch sein, wenn er die Welt nun schon zum zweiten Mal daran erinnert, dass er im Kader der 82er stand. Daran will doch eigentlich niemand erinnert werden, oder?

Donnerstag, 26. Juli 2007

Was erwartet Ihr denn alle?

Aufregung gibt es nach dem gestrigen Ligapokalhalbfinale wegen Mark van Bommel. Ich gebe zu, dass ich nur das zweite Foul des Mittelfeldspielers bewundern durfte, ein herzhaft grober Tritt von hinten in die Beine.

Aber jetzt mal ehrlich! Was erwartet Ihr anderes von dem Mann? Der ist Holländer.

Und die Holländer mögen zurecht berühmt sein für ihre Spielkultur. Das hält sie nicht davon ab gnadenlos zuzuhacken, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet.

Ich erinnere mich an Freundschaftsspiele (!) aus den 80ern gegen die Niederlande, wo die Gegner nach dem Spiel ihre Wunden und Blessuren in die Kamera hielten. Unvergessen natürlich auch das Achtelfinale 90 und das bemerkenswerte Schlachtfest im vergangenen Sommer gegen die Portugiesen.

(Nur um hier im wettbewerbsfreien Sommer mal wieder mit ein paar Vorurteilen um die Ecke zu kommen)

Mittwoch, 11. Juli 2007

Der blonde Engel in weiß

Bernd Schuster wird wenig überraschend Trainer bei Real Madrid. Ob das für beide Seiten eine gute Entscheidung ist, muss sich erst noch zeigen. Bisher war Schuster vor allem bei kleinen Vereinen erfolgreich, wo er mit wenig prominenten Spielern arbeiten konnte.

Aber schon eine störrische Diva wie Dorinel Munteanu beim 1. FC Köln stellte den mindestens ebenso eigenwilligen Trainer vor unlösbare Probleme.

In Madrid muss er mit Stars arbeiten. Da wird es nichts nutzen, auf der Trainerbank zu sitzen und nach einem Fehlpass verächtlich den Kopf zu schütteln und die Hand betont müde vor die Augen zu legen, wie er es einmal als Coach von Fortuna Köln bei einem Testspiel gegen den SV Weiden gemacht hat.

Die Spieler der Fortuna schauten nur kurz betreten zur Trainerbank, liefen danach allesamt einen Schritt schneller und spielten den Rest der Zeit fast fehlerfrei.

Ein Spieler von Real Madrid würde sich nach einer solchen Geste vermutlich beleidigt in den Mittelkreis setzen und auf den Schlusspfiff warten.

Freitag, 22. Juni 2007

Heimweh?

Bemerkenswert viele Schweizer Fußballer kehren ein Jahr vor der Europameisterschaft in ihrem Heimatland und dem Nachbarn Österreich in die eidgenössische Super League zurück.

Nach Bernt Haas und Ricardo Cabanas, der seinem Ex-Trainer Hanspeter Latour zu den Grashoppers Zürich folgte, wechselte Stuttgarts Marco Streller zum FC Basel, wohin auch Frankfurts Benjamin Huggel zurückkehren will.

Grund: Angst um die Teilnahme an der EM. Nationaltrainer Kühn fordert von seinen Spielern einen Stammplatz im Verein, den viele wohl nur in der Schweiz gesichert glauben.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Den Teufel mit Belzebub austreiben

Als der FC Chelsea im Halbfinale der Champions League gegen den FC Liverpool ausschied, herrschte allerorten Erleichterung, Freude und nicht wenig Häme vor.

Ein weiteres Jahr konnte der Triumph von Roman Abramovichs Millionentruppe verhindert werden. Stattdessen hat jetzt Silvio Berlusconis Millionentruppe die Champions League gewonnen.

Das nennt man wohl den Teufel mit Belzebub austreiben.

Donnerstag, 26. April 2007

Das schönste Opfer

Großes Lob allerorten mal wieder für ein Champions League Spiel im Old Trafford. Aber auch, wenn die offensive Spielweise von ManU zu Recht begeistert: Drei der vier Halbfinalisten sind eher für ergebnis- und weniger für spektakelorientierten Fußball bekannt.
Trotz seines Hochgeschwindigkeitsfußballes spielt der FC Chelsea ebenso nüchtern-pragmatisch wie das elegant auftretende Milan. Am Ende zählt der Erfolg und vermutlich wird Manchester dieser Mentalität zum Opfer fallen. Im Rückspiel in Mailand oder in einem Finale gegen die Blues (oder ihre roten Zwillinge von der Anfield Road).

Ein ähnliches Schicksal könnte Werder Bremen im UEFA-Pokal drohen. Gegen das biedere Espanol oder den sachlichen FC Sevilla.

Man kann das bedauern, weil man den schönen Fußball gerne für den Guten hält. Man kann das aber auch begrüßen, weil kaum etwas dem Drama mehr Glanz verleiht als ein schönes Opfer.

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