One Moment In Time

Montag, 10. September 2007

Das Staubwölkchen

In der Erinnerung an Fußballspiele und -turniere bleiben oft nur einzelne Momente oder mehr oder weniger absurde Details haften: Maradonas Hand Gottes 1986 gegen England, Franz Beckenbauer allein im Mittelkreis von Rom 1990, ein deutscher Fuß, der 1998 auf dem Spielfeld des Viertelfinales gegen Kroatien einen roten Luftballon zertritt.

Auch das kleine Staubwölkchen, dass Nia Künzer bei ihrem Freistoß zum 2:1 im WM-Finale 2003 gegen Schweden aufwirbelte, gehört dazu.

Ab heute startet die Fußball-WM der Frauen in China und die Spielerinnen von Sylvia Neid haben die Chance, diesem Bild ein paar weitere hinzuzufügen.

Mittwoch, 12. April 2006

Was bleibt

Wenn ich mich an Fußballspieler zurück erinnere, habe ich meist bestimmte Momente vor Augen. Für manche Spieler ist das ein Glück, für andere eher nicht.

Didi Hamann z.B. hat das Glück, dass ich, fällt sein Name, sofort an diesen schönen, gemeinen Freistoß in Wembley denke, flach unten rechts ins Eck. Und daran, wie Englands Torhüterparodie David Seaman langsam, viel zu langsam, fällt, dabei weniger an einen Torhüter erinnernd, sondern eher an eine alte rostige Bahnschranke. Es gibt Leute, die schwören, sie hätten es in Wembley leise knirschen und knarzen hören, als Seaman fiel, um dem Ball aus Grashöhe hinterher zu schauen. Von diesem einen Moment abgesehen, bleibt Hamann lediglich als uninspirierter Mittelfeldarbeiter in Erinnerung.

Bei Kölns ehemaligem Sturmidol Toni Polster ist es sein erster Doppelpack, an den ich mich gern erinnere (neben einem Haufen hübscher Zitate). Insbesondere das zweite Tor zum 2:0 gegen Freiburg in der Saison 1993/94 hat es mir angetan.
Polster bekommt den Ball an der Strafraumgrenze, vor sich zwei Freiburger Abwehrspieler und Torhüter Jörg Schmadtke. Die Freiburger rechnen damit, dass der Stürmer nun in den Strafraum eindringt, vielleicht ein Dribbling versucht, um in eine bessere Schussposition zu gelangen oder den Ball mit Wucht ins Tor zu donnern. Entsprechend orientieren sie sich nach hinten. So etwas nennt man "das Spiel antizipieren", und manchmal geht das schief. Denn Toni Polster macht das, was er am besten kann. Er bleibt einfach stehen. Statt mit dem Ball ein paar Schritte zu laufen, lupft er ihn aus dem Stand über seine verwirrten Gegenspieler hinweg ins Tor. Gewitzt und mit minimalen Bewegunsablauf. Kaum ein Tor offenbarte Toni Polsters Spielweise besser als dieses.

Bei Youssef Mokhtari wird mir eine andere Szene im Gedächtnis bleiben, aus dem Hinspiel gegen Schalke in dieser Saison. Es steht 2:1 für den FC, der zuvor 7 Spiele nicht gewonnen hatte und danach weitere 10 Spiele ohne Sieg bleiben würde. Mokhtari läuft mit dem Ball am Fuß auf das Schalker Tor zu, neben sich in der Mitte Scherz und Podolski. Nur ein Gegenspieler kann sich den drei Kölnern in den Weg stellen, passt Mokthari in die Mitte, können Scherz oder Podolski den Ball mühelos in das leere Tor einschieben. Es stünde wenige Minuten vor Schluss 3:1, der FC würde das Spiel gewinnen. Aber Mokhtari versucht egoistisch einen Kunstschuss und trifft das Außennetz. Wenige Augenblicke später trifft Ebbe Sand zum 2:2-Ausgleich.

Selbst am vergangenen Samstag, vier Monate nach dem Spiel, war diese Szene noch Gesprächsthema auf der Tribüne. Gestern, wenige Tage vor dem Rückspiel in Schalke, haben der 1.FC Köln und Youssef Mokhtari den Vertrag des Spielers aufgelöst.

Donnerstag, 15. September 2005

Ich habe DAS SPIEL gesehen!

OK, nicht live. Damals war ich noch sehr jung und Fernsehen haben wir erst zur WM 1974 bekommen. Das einzige Bild, das ich von diesem Spiel kannte, war der jubelnd in die Luft springende Netzer. Damit dürften die meisten wissen, von welchen Spiel ich rede. DFB-Pokalfinale 1973. Borussia Mönchengladbach - 1.FC Köln. Endstand 2:1 n.V.
Eines dieser Spiele, um die sich Mythen ranken, ähnlich wie um das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien 1970 oder (in Köln) das Entscheidungsspiel im Europapokal der Landesmeister 1965 in Rotterdam zwischen Köln und Liverpool.
2002 hat sich der WDR verdient gemacht und einige dieser legendären Spiele in der Nachtschleife wiederholt. Auch das Pokalfinale von 1973.
Ein Spiel, von dem die Altvorderen (die behaupten, dabei gewesen zu sein, deren Anzahl aber das Fassungsvermögen jedes Fußballstadions sprengen würde) erzählen, es sei eines der besten Fußballspiele überhaupt gewesen. Ein andauerndes Hin und Her und Rauf und Runter, kein Abtasten, kein Querspielen, die totale Offensive.
Meistens glaube ich den Altvorderen kein Wort. Aber diesmal hatten sie recht. Das Spiel ist (war) unglaublich gut. Schnell, offen, spannend. Ja, es ging tatsächlich permanent hin und her. Jeder auf dem Platz schien zu glauben, dass dieses Spiel sein letztes sei und er deshalb noch einmal zeigen müsse, wie gut er war. Ein Spiel, das von keinerlei taktischen Zwängen beherrscht wurde und deshalb in jedem denkbaren Wortsinn entfesselt war. Dabei so packend, dass ich mich allein auf dem Sofa sitzend furchtbar über Netzers Siegtor aufgeregt habe, als wäre ich gerade live im Stadion und sähe keine 30 Jahre alte Konserve mit verwaschener Bildschärfe.

One Moment In Time

Für viele Fans ist Fußball eine Angelegenheit von Tabellen und Statistiken. Sie können Dir auf den zweiten Vornamen genau ihre Lieblingsmannschaft von 1963 aufzählen, inklusive des Tabellenplatzes, aller Ergebnisse und der dazugehörigen Torschützen. In welcher Minute die Tore gefallen sind, wissen sie meistens auch.
Ich merke mir so etwas nie. In meiner Rückschau ist Fußball, Sport überhaupt, eine Anhäufung besonderer Momente. Momente, die ich nicht nur gesehen, sondern erlebt habe. Manche live, manche vor einem Fernseher. Aber immer war da was, was haften geblieben ist. Meistens ein Gefühl. Ich bin Sportgucker aus Sentimentalität.

Die Rubrik ist nach einem Song von Whitney Houston betitelt. Auf den ersten Blick ist das peinlich, auf den zweiten eine gute Wahl. Auch Whitney Houston hatte ihren großen Moment (mit "Saving All My Love For You" - aus persönlichen Gründen) und nie wieder etwas vergleichbares erreicht. Hammond/Bettis, die "One Moment In Time" geschrieben haben, übrigens auch nicht.

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