Freitag, 2. Mai 2008

Hoffenheim, Traum aller Fußballfans

Kaum etwas erregt die Gemüter mehr als ein Milliardär, der sich einen Fußballverein kauft. Dabei gibt und gab es das Modell Hoffenheim mehr oder weniger offensichtlich schon immer und überall, egal ob es Fortuna Köln, AC Mailand, Juventus Turin oder Athletico Madrid heißt. Von Chelsea muss man in dem Zusammenhang gar nicht einmal reden.

Von den Konzernen, die im Fußball viel Geld lassen, auch nicht. Egal ob Bayer oder VW mit ihren eigenen Clubs oder Gazprom und die Telekom als Partner der Vereine (wie auch immer diese Partnerschaft aussieht).

Aber Konzerne, so heißt es gern, verfolgen dabei wenigstens wirtschaftliche Interessen und geben das Geld nicht aus einer Laune (oder Leidenschaft?) heraus. Als ob das besser wäre.

Dann wird gerne von Wettbewerbsverzerrung geredet, so als ob es jemals im Sport einen fairen, von Geld unabhängigen Wettbewerb gegeben hätte.

Aber im Grunde ist ein Dietmar Hopp vor allem deswegen verhasst, weil er sich einen Traum erfüllt, den wahrscheinlich jeder Fan einmal hat: selber in einem, am besten noch seinen, Verein das Sagen haben.

Dass das in Hoffenheim zu funktionieren scheint, so ganz ohne gewachsene Fußballkultur und fast gänzlich ohne Fans, ist allerdings auch der größte Alptraum eines Fußballfans: Der Beweis, dass es ohne ihn geht. Dass er im modernen Fußball wirklich nicht gebraucht wird. Dass er zahlender Kunde in den Fanshops und beim Pay-TV ist und dekorative Staffage in den Stadien.
Dülp (Gast) - 2. Mai, 22:08

"Dass das in Hoffenheim zu funktionieren scheint, so ganz ohne gewachsene Fußballkultur und fast gänzlich ohne Fans, ist allerdings auch der größte Alptraum eines Fußballfans: Der Beweis, dass es ohne ihn geht."

Das was du schreibst ist die aktuelle Realität, ohne Frage. Hopps Idee dahinter ist allerdings eine ganz andere, eine vielleicht naive. Er möchte den potentiellen Fans, den Bewohnern seiner Heimat in der Kurpfalz, also dem Großraum Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen, einen Bundesligisten "schenken" und geht davon aus, dass dieser über kurz oder lang begeistert angenommen wird.

Ihn hat wohl lange gewurmt, dass eine Region mit rund einer Million Einwohner sportlich eine Diaspora war, Lediglich die Mannheimer Adler hatten in näherer Vergangenheit sportliche Erfolge vorzuweisen. Deshalb hat er, wie er es nennt, "Starthilfe" gegeben in Form von Investionen in "Steine und Beine". Aktuell redet er davon, dass das Projekt Hoffenheim sich in wenigen Jahren selbst tragen muss/soll. Wahrscheinlich eine Aussage, die schnell vergessen sein wird.

Vor einigen Jahren war es nicht ausgeschlossen, dass Waldhof Mannheim das Objekt seiner Wahl geworden wäre (was sicher ganz andere Reaktionen hervorgerufen hätte). Aber die SVW-Verantwortlichen haben sich wohl so strohdoof angestellt, dass er den Fokus seines Engagements schnell auf seinen Heimatverein gelenkt hat. Immerhin: Auch Waldhof hat ein Jugendzentrum für drei Millionen dahin gestellt bekommen und wird wohl bald als Farm-Team dienen.

Fazit: Stünde nicht der Name Hopp, sondern der Name SAP auf dem Etikett und würde nicht Hoffenheim, sondern Waldhof profitieren, wäre dies wohl eine allgemein akzeptierte, wenn auch mit Neid bestaunte, Kooperation.

Der Tester - 3. Mai, 18:22

"Aktuell redet er davon, dass das Projekt Hoffenheim sich in wenigen Jahren selbst tragen muss/soll. Wahrscheinlich eine Aussage, die schnell vergessen sein wird."
... und die dafür dann umso schmerzhafter wieder hoch kommen könnte. Insbesondere, wenn der Verein sich selber tragen muss, aber nicht kann, wie schon andere Vereine durch Rückzug/Insolvenz des Haupt-Hauptsponsors erfahren mussten.
Wünschen tut man sowas aber eigentlich keinem Fan. Egal, wie man zu dem jeweiligen Verein (und dessen plötzlicher Finanzierung) steht.
Juergen (Gast) - 3. Mai, 20:28

Wenn man Hoffenheim nur auf das Geld von Hopp reduziert, macht man meiner Meinung nach einen Fehler. Mit Rangnick und dem Sportdirektor Peters (den Klinsmann schon haben wollte) arbeiten Leute die wissen was sie wollen, die auch modernen Methoden offen gegenüber stehen.
Die haben nicht nur blindwütig Geld in die Mannschaft gesteckt, die haben sich genau die Spieler ausgesucht die passen. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Und Geld haben wir in Köln in den letzten Jahren genügend verbrannt, mit zweifelhaftem Erfolg.

Da gebe ich Dir recht. Hoffenheim investiert nicht zuletzt in Kompetenz. Aber darauf wollte ich oben nicht so unbedingt hinaus (auch wenn ich den Gedanken, gerade im Vergleich mit der FC-Arbeit in den letzten Jahren, hatte).
Dülp (Gast) - 4. Mai, 21:58

Aufgrund der konzeptionellen Arbeit ist mir Hoffenheim nicht so unsympathisch, wie es das Retortenclub-Image vermuten ließe. Solange 1899 das so durchzieht, mit einer echte Idee im Hintergrund, ist mir dieser Verein durchaus lieber, als ein Traditionsverein, der jahrelang dieselben überflüssigen Fehler macht.

Insoweit kann Hoffenheim ein Weckruf für viele andere Clubs sein, sich mehr einfallen lassen zu müssen, als ein allmächtiger Trainer, der nach einer halben Saison samt seiner Philosophie wieder gefeuert wird und dann das komplette Gegenteil auf der Trainerbank verpflichtet wird, sollte es nicht so laufen wie gewünscht.

Immer wichtiger wird eben ein Grundkonzept, dass man unabhängig von sportlich verantwortlichen Personen durchziehen kann und die Erkenntnis, dass nicht ein Trainer alleine das Heil bringt, sondern ein ganzer Stab koordiniert werden muss, der jeden Mannschaftsteil individuell betreuen kann.
Nick (Gast) - 3. Mai, 00:50

Das musste wirklich mal gesagt werden. Vor allem die Unterscheidung "Gutes Geld - Schlechtes Geld" ist einfach Quatsch, solange nicht erwiesenermaßen dunkle Machenschaften dahinterstecken. Gut finden muss man Vereine wie Hoffenheim, die aus der Retorte oder, wie Dülp sagt, aus der Diaspora kommen, deshalb noch lange nicht.

Gut finde ich die auch nicht. Schon gar nicht am Sonntag.
Juergen (Gast) - 4. Mai, 09:47

Aber darauf wollte ich nicht so unbedingt hinaus

Natürlich kann Hoffenheim in Sachen Fankultur niemals an Traditionsvereine heranreichen. Das wird nie funktionieren, egal wo eine Mannschaft herkommt, ebenfalls unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten. Jahrzehnte von Fussballgeschichte kann man nicht einfach so wegdiskutieren. Aber gelegentlich hindert eben auch genau diese Tradition an der sportlichen Weiterentwicklung. Wie oft wurden ehemalige Profis als Heilsbringer in den Vorstand oder auf die Trainerbank gezerrt, meistens mit sehr zweifelhaftem Erfolg.

Als Fan bin ich da sehr gespalten, die immer wichtig werdende Kommerzialisierung kann ich nicht befürworten. Bin mir aber im klaren das im Moment ohne nicht geht.

Wobei Hoffenheim ja nicht nur auf den Hemmschuh Tradition (und auch den Hemmschuh Fans und deren Erwartungen) verzichten darf, sondern gleichzeitig auch völlig unbefangen an den Aufbau von Strukturen und Kompetenz im Verein herangeht.

Wenn ich daran denke, was für eine Diskussion die Person Peters beim DFB und im deutschen Fußball ausgelöst hat... jetzt wird der einfach Sportdirektor in Hoffenheim und macht das offenbar gar nicht einmal schlecht.
MiMo (Gast) - 9. Mai, 17:41

Ich störe mich nicht daran, daß ein reicher Mann seiner Heimatregion einen tollen Fußballverein schenken will - Mäzenatentum gibt es schließlich schon ewig. Noch weniger hätte ich gegen Investoren, die langfristig ein RoI erwarten.

Was mir das "Modell Hoffenheim" allerdings ziemlich unsympathisch macht, ist eine Kombination verschiedener Faktoren.

Zum einen dieses missionarische "Ich, der erfolgreiche Unternehmensgründer, zeige jetzt mal dem ganzen Land, wie man sowas im Fußball aufzieht."

Dann der damit gekoppelte / darin zum Teil schon enthaltene Größenwahn. Hat vor Herrn Hopp jemals schon einer ein Stadion nach sich selbst benannt? Hat Herr Hopp keine Mutter oder keinen Vater, die er vielleicht mit dieser Namensgebung hätte beehren können - nach dem Motto "Dank ihr / ihm bin ich so erfolgreich geworden"?

Schließlich die Dünnhäutigkeit, mit der Herr Hopp auf Kritik reagiert - so z.B., als er die Worte aus dem Mainzer Management mit rassistischer Hetze auf eine Ebene stellte. Was kommt als nächstes? Majestätsbeleidigung? Gotteslästerung?

Dass sein Angestellter Ralf Rangnick dann in einem harten Zweikampf gleich ein "Attentat" sieht und an Verschwörungstheorien bastelt, passt da nur ins Bild.

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Ich könnte deinen Text eigentlich so bei mir reinkopieren....
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