Donnerstag, 1. Dezember 2005

Vom Torhüter zum Torspieler

In der öffentlichen Wahrnehmung Fußball-Deutschlands ist der Torwart nicht wirklich Teil der Mannschaft. Torhüter sind die Bekloppten auf der Linie, die Kopf und Kragen riskieren, wenn sie sich dem gegnerischen Stürmer entgegenwerfen. Tolle Reflexe zeichnen einen guten Torwart aus. Das größte denkbare Kompliment: "Er hat einen unhaltbaren Ball gehalten." Fliegt der Torwart spektakulär durch die Luft, um einen Ball aus dem Winkel zu fischen, jubelt das Stadion.

Doch die Aufgaben des Torwarts haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Zumindest im internationalen Fußball. Aus dem Torhüter, der auf der Linie klebt und die Angriffe des Gegners abwartet, ist ein Torspieler geworden. Jens Lehmann hat das in einem Interview mit der SZ einmal so festgestellt: "Ausländische Klubs schauen nur danach, ob ein Torwart bei Flanken gut ist und das Spiel lesen kann. Dass Torhüter auf der Linie gut sind, wird als selbstverständlich vorausgesetzt."

Als letzter Mann dirigiert der Torhüter die mehr als zehn oder zwanzig Meter vor ihm postierte Viererkette. Wer Fußball regelmäßig im Stadion verfolgt, kennt die typischen Handbewegungen, die vor allem dann nötig sind, wenn die Kette schlecht steht.

Außerdem fängt der Torspieler weite Bälle in den freien Raum hinter der Viererkette ab. Oft genug weit vor dem Strafraum. Er muss also auch spielerische Qualitäten besitzen. Der Torhüter, der den Ball nicht mit dem Fuß stoppen kann, ist ein Auslaufmodell.

Doch mit dem Abfangen des Balles ist es nicht getan. Denn jetzt beginnt das Aufbauspiel der eigenen Mannschaft. Den ersten Pass spielt der Torwart. Meist bietet sich ihm dazu einer der Außenverteidiger durch Zurücklaufen an. Selten drischt der Torspieler den Ball planlos nach vorn.

Kommt der Gegner bei einem Angriff in Tornähe, gehört Strafraumbeherrschung zum unverzichtbaren Repertoire des modernen Torhüters. Denn idealerweise holt er bereits die Flanke in den Strafraum aus der Luft.

Nicht mehr darin, Torschüsse abzuwehren, liegt die eigentlich Aufgabe des Torhüters, sondern sie im Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten zu verhindern. Noch einmal Jens Lehmann: „Für die Öffentlichkeit zählt, dass der Torwart sich durch Paraden auszeichnet. Für mich zählt, dass ich keinen drauf kriege."

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