Donnerstag, 9. April 2009

Der nächste schwarze Tag

Vielleicht ist das Erstaunen über das Münchener Debakel in Barcelona das Erstaunlichste an dieser Niederlage. Ähnliche Niederlagen, ob in Mailand oder Aachen, gab es mehrere in den vergangenen Jahren, ähnliche Krisen wie sie der Verein jetzt mit Klinsmann erlebt, machte er zuvor bereits mit Hitzfeld und Magath durch.

Auch wenn die Frage, ob Klinsmann ein guter Vereinstrainer ist, sicher berechtigt ist, liegen die Probleme des FC Bayern tiefer.

Der Verein, so wie ihn Uli Hoeneß in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat, ist durch und durch ein Kind der 80er. Sein Credo lautet "Erfolg" und Erfolg bedeutet in München Titel. Den fußballerischen Glanz, den die Mannschaft in den 70ern durchaus zu verbreiten wusste, sah man in der Ära Hoeneß eigentlich nie.

Im Grunde genommen ist Erfolg für einen Sportverein eine durchaus akzeptable Philosophie. Nur führte der Münchener Weg zum Erfolg (und auch darin ist Bayern München ein Kind der 80er) über finanzielle Potenz, weniger über ein sportliches Konzept. Das reichte für sportliche Dominanz in der Liga und zum Mithalten im internationalen Fußball. Für den sportlichen Glanz hielt man sich ein paar Künstler - aktuell z.B. einen Ribery.

Denn auch in München gibt es seit Jahren durchaus den Wunsch nicht nur erfolgreich, sondern auch schön zu spielen. Sei es mit einem "Dream Team" wie unter Otto Rehagel oder mit einem "weißen Ballett" wie in den Anfangstagen eines Felix Magath.

Am Ende aber blieb das nur Schönspielerei, blieb der Erfolg aus, besann man sich in München auf das Wesentliche: Ergebnisse.

Damit aber treten Fragen nach dem Sportlichen in den Hintergrund. Fragen nach dem Fußball, den Bayern München spielen will, und nein, schön und erfolgreich ist darauf keine Antwort. Denn schön und erfolgreich wollen alle spielen, selbst Cottbus, wenn es die Wahl hätte.

Das aber sind die Fragen, die heute über den Erfolg entscheiden. In Barcelona, aber auch in Wolfsburg, Hoffenheim, London oder Liverpool.

Dabei geht es nicht um Schönheit, sondern darum, welchen sportlichen Weg zum Erfolg ein Verein einschlagen will. Das kann Arsenals One-Touch-Football sein, Barcas Hochgeschwindigkeitsoffensive (die, was gerne vergessen wird, eine exzellente Defensive hinter sich weiß), aber auch Chelseas im Grunde plumper Kraftfußball.

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich im Grunde dasselbe geschrieben:

Von den Verantwortlichen des FC Bayern weiß niemand, wie man so etwas macht: einem Starensemble eine Fußballphilosophie einimpfen, geschweige denn einen Verein so zu führen, dass er eine Vorstellung vom Fußball lebt, die auch jenseits des Erfolges Freude bereitet.

Eine Antwort hat der Verein bisher nicht gefunden und solange er sie nicht findet, ist es nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten schwarzen Tag. Egal wie der Trainer, egal wie die Spieler heißen.

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