Donnerstag, 22. Juni 2006

Showgirls do Brasil

Brasilien nervt.

Ronaldhino, der nach Adrianos Tor lachend dem Trainer die Hand schüttelt.
Die Auswechselspieler, die wie auf Kommando aufspringen, um sich mit den elf auf dem Platz zu einem Jubelknäuel zu versammeln.
Der abgedroschene und einstudierte Wiegenjubler mit Adriano.
Cafu, der sich beim Schiedsrichter lächelnd mit einem Händedruck für eine gelbe Karte bedankt.

Echte Freude, wie sie den Brasilianern gerne angedichtet wird, sieht anders aus. Echte Freude reißt die Arme hoch und schreit das Glück einfach raus, so wie Oliver Neuville nach seinem späten und hart umkämpften Tor gegen Polen. Ausgerechnet ein Deutscher (aber auch: Schön, dass es ein Deutscher zeigt).

Traumhüter Lars Leese hat es bei center.tv auf den Punkt gebracht: „Bei Brasilien ist nichts authentisch. Das ist eine reine Showtruppe.“

Vielleicht hat das beim Auftritt gegen die Australier so gestört. Auf der einen Seite stemmte sich eine Mannschaft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln leidenschaftlich gegen die Niederlage, auf der anderen Seite spulte eine routinierte Zirkustruppe lustlos ihr Programm ab und gewann.

Heute Abend um 21:00 Uhr gastieren die Showgirls do Brasil in Dortmund. Gegner: Japan. Eine Mannschaft, die sich wie Australien mit ganzem Herzen gegen die Niederlage wehren wird und am Ende vermutlich mit leeren Händen da steht.

Brasilien, früher einmal das El Dorado der Fußballromantiker, erinnert heute an die bunt glitzernden Fassaden eines schäbigen Amüsierviertels. Alles blinkt, blitzt, lacht und ist fröhlich. Aber wer echte Leidenschaft sucht, sucht besser woanders.

Dienstag, 20. Juni 2006

Das merkeln wir uns!

Ist das eigentlich Zufall, dass die Haushaltsdebatte zum Haushalt 2006 am Tag des letzten deutschen Gruppenspiels der WM stattfindet?

Kurz nach der Entscheidung über die größte Steuererhöhung der Geschichte der Bundesrepublik (die - huch - auch während der WM stattfand)?

Mit einer sensationellen Neuverschuldung von 38 Milliarden Euro?

Ich wollte nur mal drauf hinweisen.

Montag, 19. Juni 2006

Genugtuung

Es hat mir ein tiefes Gefühl der Genugtuung verschafft, als ich am Samstagmittag am Campi im WDR vorbeiging und eine Hundertschaft tschechischer Fußballfans die Terrasse des WDR-Stammitalieners in Beschlag genommen hatte.

Mir haben sie dort mal am Spieltag den Zutritt im FC-Trikot verweigert (so viel zu Campis Verbundenheit mit dem FC).

Noch lieber hätte ich allerdins gesehen, wie die Kellner versucht hätten, bierdurstige tschechische Fans von den Tischen zu vertreiben.

Irritationen im Raum-Zeit-Kontinuum

Heute habe ich für Euch ein physikalisches/technisches Rätsel, dessen Auflösung mich brennend interessieren würde:

Wenn ich bei mir aus dem Haus gehe (zum Supermarkt zum Beispiel oder zum Kiosk), komme ich je nach Weg und Straßenseite an mindestens drei Kneipen, Pizzerie und Cafes vorbei, die ihre Fernseher auf die Straße gestellt haben und Fußball zeigen.

Zwischen diesen Fernsehern liegen etwa 10 Meter Abstand. Um diese zehn Meter zu gehen brauche ich ungefähr 5 bis 10 Sekunden.

Komme ich am ersten Fernseher vorbei, höre ich z.B. "Die Ghanaer fordern Rot.", und sehe die entsprechende Szene auf dem Bildschirm.

Logisch, dass ich dann auf dem nächsten Fernseher sehe, wie der Schiedsrichter die Rote Karte zückt. Schließlich sind um die 7 Sekunden Zeit vergangen.

Denkste. Auf dem Fernseher zehn Meter weiter höre und sehe ich genau dasselbe, was ich auch auf dem ersten Fernseher gehört und gesehen habe, nämlich "Die Ghanaer fordern Rot." Obwohl in der Zwischenzeit knapp 7 Sekunden Zeit verstrichen sind.

Da ich nicht davon ausgehe, dass sich mitten in Köln-Sülz eine Diskontinuität in der Raumzeit befindet, muss es für dieses Phänomen eine Erklärung geben.

Vielleicht kann ein technisch oder physikalisch versierter Mensch unter meinen Lesern mir weiterhelfen?

Woran liegt es, dass ich trotz der vergangenen Zeit auf beiden Fernseher dasselbe sehe und höre?

Und ganz nebenbei: Wie lange braucht dann ein Fernsehsignal von Köln-Sülz nach z.B. Rio de Janeiro?

Freitag, 16. Juni 2006

Interessiert sich noch jemand für Vereinsfußball?

Ich sag's wie's ist (Ich mag diesen Satz):

Wenn gleichzeitig Deutschland gegen Brasilien im Finale spielen würden und der 1.FC Köln in der 2.Liga gegen - na sagen wir mal - den TuS Koblenz auflaufen müsste, ich würde das FC-Spiel sehen wollen.

Anderen mag das anders gehen, mein Verständnis haben sie dafür nicht.

Aber unabhängig von der WM. Auch im Vereinsfußball geht es weiter und der 1.FC Köln wird Zlovomir Soldo nicht verpflichten. Durch die Blume teilt der Verein auf der Homepage mit, dass der Transfer wohl zu teuer war.

Dafür wurden interessante neue Testspiele vereinbart, u.a. gegen Austria Wien und AZ Alkmaar. Alle Termine der Vorbereitung gibt es hier. Natürlich nur für die, die sich nicht nur für die WM, sondern auch für Fußball interessieren.

England ist Beckham (und sonst nix)

In Deutschland steht vor allem der Popstar David Beckham im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das mag mit der Neigung deutscher Sportjournalisten für Boulevardthemen zu tun haben wie Kloses Tante und Poldis Oma in Polen (Fragen in der Pressekonferenz, die dem folgenden Spiel der Deutschen gegen die Polen in keinster Weise angemessen waren).

In England sieht man in Beckham vor allem den Fußballer. Selbst ein markigen Worten nicht abgeneigter Musiker wie Oasis-Gitarrist Noel Gallagher zollt Becks im Interview mit der deutschen Galore Respekt:

"Aber vergessen Sie doch den ganzen Mist: Beckham spielt einen fantastischen Fußball."

Das Problem: Beckhams Flanken sind Wunderwerke an Präzision und machen ihn zum besten rechten Mittelfeldspieler des Planeten. Aber damit sind seine Fähigkeiten weitgehend beschrieben. Beckham ist ein Spezialist für die rechte Außenbahn. Nicht mehr und nicht weniger.

Zugleich ist er der Schlüsselspieler der englischen Nationalmannschaft und damit ist das Dilemma dieses Teams ausreichend umschrieben. Die Mannschaft hängt an einem Spezialisten und das ist für den internationalen Wettbewerb zu wenig.

Die hochgelobten Mittelfeldallrounder um Lampard hingegen tauchen im Nationaltrikot gerne unter. Damit steht Lampard in einer langen Tradition englischer Ausnahmefußballer. Denn immer wieder bringt das Mutterland des Individualismus herausragende Einzelkönner hervor (Keegan, Lineker, Gascoigne, Lampard, Beckham). Nur eine Mannschaft haben sie seit 1966 nicht mehr auf den Platz gebracht.

Mittwoch, 14. Juni 2006

Deutschland - Polen

Zum Spiel zwischen Deutschland und Polen heute Abend ist alles gesagt. Von jedem. Das meiste davon ist überflüssig.

Deshalb gibt es von mir keinen Kommentar zum Spiel, nichts über Lukas Podolskis Großmutter, Miroslav Kloses Tante und die messerwetzenden Polen.

Ergänzend möchte ich aber erwähnen, dass alle Polinnen, die ich jemals in meinem Leben getroffen habe (und das waren ein paar), ausgesprochen schön waren.

Das hat mit Fußball nichts zu tun, aber selbst bei einer Weltmeisterschaft gibt es wichtigeres.

Die Jagd ist eröffnet

Die ersten Spiele bei einer WM sind für die Mannschaften, aber auch für die Konkurrenz Standortbestimmungen. Manchen Teams gelingt es schon im ersten Spiel deutlich zu machen, das mit ihnen im Verlauf des Turniers zu rechnen ist (Deutschlands Auftritt gegen Jugoslawien 1990). Andere müssen sich erst finden (Brasilien 2002 gegen die Türkei). Wieder andere machen deutlich, dass sie bei diesem Turnier nicht lange dabei sein werden (Frankreichs Spiel gegen Senegal ebenfalls 2002).

Im bisherigen Verlauf dieser WM beeindruckten (mich zumindest) nur Tschechien und Italien, allein schon dadurch, dass sie mit einer nicht mehr als guten Leistung den Eindruck hinterließen, unter ihren Möglichkeiten zu spielen.

Brasilien gestern Abend (beim 1:0 gegen Kroatien) erinnerte ein wenig an Frankreich 2002, unbeweglich im Sturm (Adriano, Ronaldo), überaltert und zu langsam auf den Außenbahnen (Cafu, Roberto Carlos), überspielt und hilflos im kreativen Zentrum (Ronaldhino) und schlicht überschätzt in der Innenverteidigung (Lucio, Juan).

Im Gegensatz zu Frankreich in Korea und Japan wird Brasilien allerdings die Vorrunde überstehen.

Wenn sie Glück haben, finden sie in den Spielen gegen Australien und Japan sogar zu alter Form und zu einer Mannschaft, die überzeugen kann.

Sie brauchen dieses Spiele, denn gestern wirkten sie schlicht und ergreifend schlecht vorbereitet auf diese WM.

Die großen Teams dürften aufmerksam die Schwächen der Brasilianer registriert haben. Brasilien ist zu schlagen. Die Jagd ist eröffnet.

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