Freitag, 20. Juli 2007

Reicht das?

In Köln ist es manchmal schwierig zu erkennen, ob der 1. FC Köln ein uneinheitliches Bild abgibt oder ob die heimische Presse ein solches Bild zeichnet.

Glaubt man den Kölner Medien rumort es beim FC. Trainer Christoph Daum fordert auch nach der Verpflichtung des Freiburger Mohamads weitere Verstärkungen (welcher Trainer tut das nicht?), Manager Meier schmettert diesen Wunsch ab (welcher Manager tut das nicht?).

Unabhängig davon, über was und in welcher Heftigkeit die Herrschaften gestritten haben, lohnt zwei Wochen, bevor die Saison mit dem Pokalspiel bei den Amateuren von Werder Bremen beginnt, ein Blick auf den fußballerischen Status Quo.

Sechs Neuverpflichtungen präsentierte der Verein. Mit Roda Antar (aus Freiburg), Kevin McKenna (Cottbus), Nemanja Vucicevic (München 60) und Youssef Mohamad (ebenfalls Freiburg) wurden zweitligaerfahrene Spieler nach Köln geholt. Dazu kamen aus der Türkei Torwart Faryd Mondragon und Außenverteidiger Ümit Özat.
Den Fehler des vergangenen Jahres, als man mit einem Kader in die Saison startete, dem die 2.Liga fast komplett fremd war, begeht der FC in dieser Saison also nicht. Schwerpunktmäßig wurde die zuletzt schwächelnde Defensive verstärkt. 50 Gegentore waren der viertschlechteste Wert aller Zweitligisten und entschieden zuviel für die aufstiegsambitionierten Domstädter.

Taktisch kehrte Daum in den letzten drei Testspielen zu seinem bevorzugten 4-2-3-1 zurück.
Dem Stand der Vorbereitung entsprechend wurde fleißig rotiert, allerdings zeichnet sich ab, dass die ersten Positionen vergeben sind.
Faryd Mondragon erhielt in den meisten Spiele den Vorzug vor Stefan Wessels. Kevin McKenna und Neuzugang Youssef Mohamad dürften in der Innenverteidigung ebenso gesetzt sein wie die quasi konkurrenzlosen Roda Antar und Marvin Matip im defensiven Mittelfeld. Die zentrale Position hinter der einzigen Spitze (meist Novakovic) besetzte in den letzten drei Spielen Thomas Broich.
Offen sind die Außen. Gegen Sparta Prag spielten offensiv Helmes und Andre, defensiv Schöneberg rechts, Özat links.

Offen ist aber auch noch eine andere Frage:

Wie im vergangenen Jahr testet der 1. FC Köln in der entscheidenden Vorbereitungsphase fast auschließlich gegen höherklassige Gegner. Gegen Mannschaften, die selber das Spiel gestalten wollen (zumal gegen einen Zweitligisten).

Im Alltag der 2. Liga erlebte die Mannschaft in der letzten Saison wenig überraschend etwas völlig anderes: Mannschaften, die es vornehmlich darauf abgesehen hatten, das Spiel der Kölner zu ersticken und mit eigenen schnellen Vorstößen die wacklige Hintermannschaft des Gegners zu überrennen.
Eine Spielweise, die die Geißbock-Elf ein Jahr lang vor unlösbare Rätsel stellte. Die besten Noten bekam die Mannschaft sinnigerweise nach dem Pokalspiel gegen die höherklassigen Schalker.

Wie man einen Gegner, der sich auf kompromissloses Rennen, Kämpfen, Weiterrennen beschränkt, mürbe spielt, lernt man nicht unbedingt in Tests gegen den tschechischen Meister oder die 100-Millionen-Mannschaft Bayern München. Ob der 1. FC Köln diese unschöne Kunst dennoch beherrscht, wird die entscheidende Frage sein, wenn es darum geht, den Aufstieg zu realisieren. Unabhängig davon, welche elf Spieler auf dem Platz stehen.
Tobi (Gast) - 20. Jul, 16:41

Über den Bedarf an noch mehr neuen Spielern für den FC kann ich mich nicht äußern. Zu wenig Insiderkenntnisse meinerseits. Ich werde es mir am 1. Spieltag angucken. Interessant finde ich aber die Diskussion um die Testspiele. Die Frage lautet doch eigentlich gegen wen sollte man denn dann in der "heißen Phase" antreten? Zweitligakonkurrenten wohl eher weniger. Man will ja schließlich nicht zuviel von sich selbst (seiner Spielweise) preisgeben. Bundesligisten scheiden aus oben genannten Gründen aus. Bleiben Regionalligisten. Da meckert aber die Presse, wenn ich z.B. Elversberg (sorry, nichts persönliches) nicht standesgemäß (will sagen mind. 2 Tore Unterschied) wegfidel. Ergo: Schlechte Stimmung in der Presse (wer wüßte das nicht besser als die Kölner), Unruhe im Verein, etc. Und nu? Alles unter der Regionalliga scheidet aus sportlichen Gründen wohl aus. Man könnte noch "ebenbürtige Gegner" auf internationaler Ebene verpflichten. Aber woran erkennt man die? Zuviele unbekannte Variablen.
Bleiben also doch nur wieder Spitzenklubs um einem vor Saisonstart nochmal richtig schön die Defizite aufzuzeigen. Dann hat der Trainer wieder was, womit er arbeiten kann.
Oder?

Ebenbürtige Gegner

auf internationaler Ebene ließen sich schon erkennen. Wesentlicher fände ich, dass es Mannschaften sind, deren Spielweise den Anforderungen, vor denen die eigene Mannschaft steht, entsprechen.

Um solche Mannschaften zu finden, könnte man z.B. das eigene Scouting nutzen. Aber beim Begriff Scouting schreien in Köln alle auf.
Tobi (Gast) - 20. Jul, 17:48

Vielleicht ist der Begriff ebenbürtige Gegner in diesem Kontext von mir falsch gewählt. Ich bin mit Dir schon einer Meinung, dass es um Manschaften geht, deren Spielweise den kommende Anforderungen der eigenen Mannschaft entsprechen sollte / müßte.
Das mit dem Scounting finde ich diesbezüglich super. Hoffe Du hast ein Copyright auf die Idee.
Dülp - 21. Jul, 00:39

Das kann aber wirklich nicht so schwer sein, eine Mannschaft aus den unteren Regionen der österreichischen oder holländischen, slowenischen oder was auch immer für eine Liga zu finden.
sternburg (Gast) - 21. Jul, 13:58

Kann doch nicht so schwer sein...

...ist genau der Punkt. Oder um genau zu sein: Andere schaffen es doch auch.

Aber sei nicht traurig, lieber Stefan: Wenn du magst, können dir der Dülp und der ich gerne mal die Geschichte von dem geradezu perfekt abgelaufenen Wintertrainingslager und der dann sich daran anschließenden Rückrunde erzählen.

Nur zur Relativierung von Vorbereitungseindrücken.

p.s.: Deine Spam-o-matic wünscht übrigens gerade von mir die Eingabe des schönen Begriffes "Nerd". Was sie damit wohl ausdrücken will?

Wobei

ich jetzt nicht so die Übersicht habe, gegen wen die anderen testen.
kurtspaeter - 21. Jul, 08:04

Interessant, das in Köln Roda Antar als defensiver Mittelfeldmann angesehen wird. Ich habe den immer etwas offensiver in Erinnerung.

Ich auch,

aber auf der zentralen offensiven Position ist der FC schon doppelt besetzt.

Wenn Antar Pech hat, geht es ihm in Köln wie vorher schon Feulner, Rahn oder Cabanas (im speziellen Vergleich zu Lagerblom). Auf der richtigen Position eigentlich gute Leute (für das spielerische Niveau des Vereins) nur leider falsch eingesetzt.

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