Dienstag, 20. September 2005

Schallplatten digitalisieren am PC

Machen wir uns nichts vor. Der 1.FC Köln hat seine letzten Titel gewonnen, als die CD noch in den Kinderschuhen steckte und die gute, alte Schallplatte das Objekt der Begierde des juvenil-sektiererischen Musikliebhabers war.
Im Zeitalter des iPods, der weiß wieder modern werden lässt, träumt der ehemals juvenile, nicht mehr ganz so sektiererische Musikliebhaber davon, seine alten Vynilscheiben auf seinen Computer zu überspielen.
Es ist einfach zu bequem (Bequemlichkeit wird für den immer weniger juvenilen, immer weniger sektiererischen Musikliebhaber immer wichtiger!), alles, aber auch wirklich alles, was sich an Musik über Jahre angesammelt hat in einer iTunes-Bibliothek zu sammeln und beliebig darauf zugreifen zu können.
Mein Powerbook macht es mir leicht und bettelt förmlich darum, Platten digitalisieren zu dürfen. Zweites Verstärkerkabel ins Powerbook, Spin Doctor aufrufen, aufnehmen. Fertig.
Das ist so einfach wie Kassetten aufnehmen. Nur dass es ein Tape für einen selbst ist, nicht mehr für das Mädchen, das die Botschaft der Kassette vermutlich nie wirklich zu würdigen wusste.
Ein Freund von mir hat es nicht so einfach. Der hat einen PC und beneidet mich. Weil Neid unter Rivalen zwar ein belebendes Element sein kann, unter Freunden aber nicht gewollt ist, suche ich jetzt eine Software, mit der er ähnlich einfach seine Platten digitalisieren kann. Kann mir da jemand weiterhelfen?

Verhandeln wie die Profis

Einer der Grundsätze einer erfolgreichen Verhandlungsstrategie, wie sie z.B John Patrick Dolan beschreibt, lautet:
Dem Verhandlungspartner immer die Möglichkeit lassen ohne Gesichtsverlust die eigene Position zu räumen (und auf Deine zu wechseln).

(Die Analogie zum Fußball ist locker konstruiert, Mainz' Trainer Jürgen Klopp hat die Spielweise seiner Mannschaft in der vergangenen, erfolgreicheren Saison einmal so beschrieben: "In der Defensive so stehen, dass der Gegner den Ball nur dahin spielen kann, wo wir ihn haben möchten.")

Politiker, die ja von Hause aus Verhandlungsprofis sein sollten, beherzigen diesen Ratschlag nicht nur nicht, sie bringen sich am liebsten selbst in eine Position, aus der sie ohne Gesichtsverlust nicht mehr herauskönnen.

Die FDP will auf gar keinen Fall mit der SPD.
Die SPD will nur mit Schröder.
Die Grünen wollen auf gar keinen Fall mit Merkel.
Die CDU will nur mit Merkel.
Einer wird sich lächerlich machen müssen.

Von Diven, Bauern und dem Aufstieg des dicken Mannes - Teil 2

Ein ganz anderes Derby als der Bundesliga-Klassiker 1.FC Köln - Borussia Mönchengladbach ist das Spiel des FC gegen Bayer Leverkusen.
Leverkusen hätte gerne sowohl die Erfolge und Titel der Mönchengladbacher Borussia als auch den Glanz des 1. FC Köln. Aber sie haben weder das eine noch das andere. Stattdessen haben sie die Bayer AG im Rücken, für die die konzerneigene Fußball GmbH einen wichtigen Baustein im Marketing-Konzept darstellt. Dafür bezahlen sie gutes Geld und somit hat Leverkusen jede Menge von dem, was den alten Rivalen fehlt. Leider kauft Geld keine Titel, der FC Liverpool hat das in der vergangenen Champions League-Saison gegen Abramovichs Chelsea und Berlusconis Milan eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Einwand, dass auch Liverpool nicht gerade eine Kirchenmaus ist, zählt nur bedingt, vergleicht man den Verein mit dem FC Chelsea. Leverkusens Trophäenschrank jedenfalls ist legendär - legendär leer.
Auch Glanz kann sich ein Verein nicht kaufen. Bayers ehemaliger Manager Rainer Calmund hat in den 90er Jahren versucht in Leverkusen ein wenig "Zirkus-Mief" zu etablieren und damit wenigstens in Ansätzen ein wenig glamouröse Glitzerwelt entstehen zu lassen. Er verpflichtete den Trainer Stepanovic, einen ehemaligen Kneipier, der es irgendwie geschafft hatte, Bundesliga-Trainer bei Eintracht Frankfurt zu werden, und den Weltstar Bernd Schuster. Nicht ganz zufällig ein ehemaliger Kölner Spieler, dessen Gattin Gabi maßgeblich den Archetyp Spielerfrau (Chaos- und Glamourfaktor zugleich -> Entertainmentmaschine) geprägt hat.
Geholfen hat das nicht. Obwohl es dem dicken Calli gelang, sportlich aus Leverkusen eine Bundesliga-Spitzenmannschaft zu formen: Leverkusen blieb eine Werkself, ein Plastikclub, trotz Schuster, trotz Stepanovic, trotz Champions League-Finale. Ein Club ohne Anhängerschaft, der selbst zum Derby in Müngersdorf den Gästeblock nicht voll bekommt.
So treffen am Mittwoch nicht zwei Nachbarn aufeinander, die in jahrelanger Tradition eine eigene Identität ausgebildet haben, auf die sie sich in Konkurrenz mit dem Derby-Gegner berufen können. Sondern zwei Vereine, von denen der eine (Bayer) unbedingt will, was der andere hat (Glanz, Tradition, Fans), und der andere (der FC) die Existenz des Gegners am liebsten ignorieren möchte, aber nicht kann.
Kein Spiel Diva gegen Bauer. Stattdessen treffen sich eine alternde (naja, seit Jahren 25), aber immer noch attraktive Diva und ihr neureicher, gieriger und erbschleicherischer Neffe, die beide in tiefer Abneigung verbunden sind, zu einem familiären Pflichttermin.
Wer viel in Italien herumreist, dem erklärt sich der Gegensatz zwischen dem 1.FC Köln und Bayer Leverkusen am ehesten mit einem Vergleich zwischen dem heruntergekommenen, aber wunderschönen Venedig und seiner aufstrebenden, aber gesichtslosen Vorstadt Mestre.

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